Nikon D 750 oder: Warum das Vollformat noch lange nicht ausgedient hat?

Nikon D 750

Manche argumentieren, dass Spiegelreflex-Kameras einen Anachronismus darstellen, der sich heute – im Zeitalter von kleinen und immer leistungsfähigeren Systemkameras – bald überholt hat:

Doch es gibt nach wie vor (gute) Gründe, die fürs Vollformat sprechen.

Eine Kamera für Profis!

Herbstwald Kontrast zwischen immergrünem Efeu und bunten Blättern (Foto Peter Hoffmann Waldstraße 20 66113 Saarbrücken) (2000x1335)
Foto: Peter Hoffmann

Das findet sich heute natürlich auch bei der spiegellosen Sony A7, die mit hochauflösenden Vollformatchips bestückt ist. Eine Systemkamera, die sich gleichermaßen an technikaffine Amateure wie auch Profis richtet, und, völlig zu Recht, gerade bei Landschaftsfotografen sehr begehrt ist.
Manchmal jedoch gibt es Gründe, in denen eine Kamera, die größer und schwerer (und damit auch auffälliger!) ist, gebraucht wird. So ersetzt bei vielen Foto-Reportern der schwergewichtige Bolide aus dem Hause Canon oder Nikon den Presseausweis. Wer damit erscheint, wird nahezu automatisch durchgewunken … ebenso kann es für den Hochzeitsfotografen Pflicht sein, dass er eine „ausgewachsene“ Spiegelreflex im Gepäck hat.



Das Ergebnis zählt:

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Auch eine Kamera mit Crop-Faktor (also einem APS-C Sensor) und erst recht eine A 7 mit Vollformatchip kreiert Bilder (jedenfalls dann, wenn der Nutzer das Potential zu nutzen versteht), die atemberaubend schön sind. Selbst der kleine MFT-Chip kann den meisten professionellen Einsätzen mühelos Stand halten. Doch gerade im Berufsalltag von Fotografen gibt es bis heute Situationen, in denen der Kunde eine Spiegelreflexkamera mit Vollformatchip schlichtweg voraussetzt!

Nur einer der Gründe, warum ich – neben (m) einer Olympus mit Objektiven aus der Pro- und Premium-Serie – auch eine Nikon D 750 im Einsatz habe. Die wurde Oktober 2014 eingeführt und stellt in gewisser Hinsicht den Nachfolger der legendären D 700 dar, die von vielen Anwendern nach wie vor geschätzt wird.

Taekwondo Leichtkontakt mit Handschuhen farbverstärkt (Foto Peter Hoffmann Waldstraße 20 66113 Saarbrücken) (2000x1335)
Foto: Peter Hoffmann

Die hatte einen 12-Megapixel-Vollformatsensor, während die D 750 mit 24,3 Megapixeln und einer zeitgemäßen Videofunktion aufwartet. Zudem hat Nikon der D 750 erstmals ein Klappdisplay spendiert. Das wurde bei Nikon wie auch Canon den Profimodellen lange mit einem Hinweis auf die geforderte Robustheit verwehrt. Doch heute scheint auch bei den Profi-Boliden kein Weg daran vorbei zu führen. Immerhin hat auch Pentax seine brandneue K 1 mit einem sehr flexiblen Display ausgestattet.

Das der Nikon D 750 ist lediglich nach oben und unten schwenkbar, erleichtert damit jedoch Aufnahmen in Bodennähe ungemein. Und ist so solide verbaut, dass allenfalls brachiale Gewalt zu einem Verlust führt.

Die Sache mit der Freistellung:

Hauptargument für das Vollformat sind jedoch die inneren Werte. Zum einen die rauschfreien Fotos, die auch bei höheren ISO-Einstellungen noch top sind.
Dazu kommt das Plus bei der Freistellung, so dass Vollformat weit mehr als ein Statussymbol darstellt, sondern in der Tat handfeste Vorteile im Gepäck hat: So kann mit lichtstarken Optiken und Blende 1,8 oder 2,8 eine Person oder ein Objekt vor seinem Hintergrund im Vollformat leichter freigestellt werden. Was gleich bleibt, ist nämlich lediglich die Lichtstärke. Will meinen: Ein Objektiv mit einer Anfangsblendenöffnung von 2,8 ist an (m) einer Olympus und der Nikon-Vollformatkamera gleichermaßen lichtstark. Allerdings ist die Schärfentiefe beim kleinen Olympus-Chip wesentlich ausgeprägter als bei einem Sensor in der Größe eines herkömmlichen KB-Dias. Insofern lässt sich im Vollformat leichter mit einem unscharfen Hintergrund spielen.

Der optimale Sucher?

Auch Videos, die mit einer Vollformatkamera aufgenommen wurden, haben einen ganz besonderen Reiz. Dennoch greife ich hier häufig(er) zur Olympus. Denn dort leistet der im Gehäuse integrierte Bildstabilisator ganze Arbeit und die Clips wirken, als ob ich ein Stativ oder Kamera-Rig genutzt hätte. Selbst Schwenks sind Freihand möglich – davon kann ich bei meiner Nikon leider nur träumen.

Logischerweise scheiden sich auch an den Suchern die Geister: Der ist bei der Nikon D 750 natürlich optisch und eine Wucht. Systemkameras warten dagegen mit einem elektronischen Sucher auf, der bei den modernen Modellen extrem gut und auf der Höhe der Zeit ist. Manche mögen die Features, die hier verbaut sind. Doch die Fülle dessen, was ein elektronischer Sucher einblendet, kann auch mal verwirren. Ebenso kann es sein, dass Nutzer von dem soeben gemachten Foto, dass die Software kurz als Standbild einblendet, verwirrt sind. Denn zwischenzeitlich kann das eigentliche Motiv dem Sucher und Fotografen bereits enteilt sein.



Fazit zur Nikon D 750:

Insofern gibt es bei jedem System Licht wie auch Schatten. Und diejenigen, die glauben, dass Spiegelreflexkameras ausgedient haben, dürften sich wohl getäuscht haben.
Ich jedenfalls werde die Vollformat-Nikon so schnell nicht in Rente schicken. Denn die liegt, trotz Vollformat, hervorragend in der Hand. Und liefert tolle Bilder. Dabei können auch Autofokus und Serienbildrate (wenngleich die 750 kein „Super-Sporter“ ist) überzeugen.
Zudem mag ich den integrierten Bordblitz, der Aufsteckblitze steuern kann und damit „entfesseltes“ Blitzen zum Kinderspiel macht!

Text und Fotos: Peter Hoffmann

Schreibe einen Kommentar

*

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.