Das Olympus OM-D System

Für Videofilmer und Naturfotografen der Hit

Mit Superlativen ist das so eine Sache. Was also ist dran, wenn Olympus für seine EM-1 mit dem Slogan „entwickelt um DSLR-Kameras zu übertreffen“ wirbt?

Nun, als professioneller Foto-Reporter benutze ich sehr wohl noch (m) eine Vollformatkamera, die von einem der beiden großen Namen der Szene hergestellt wurde.

Vollformat oder Halbformat?

Denn es gibt Situationen, in denen ein Chip in der Größe eines herkömmlichen Kleinbild-Dias seine Stärken ausspielt. Sei es bei den in aller Regel höheren ISO-Werten, die noch rauschfreie Fotos liefern können oder aber in puncto Freistellung.

Denn der vergleichsweise kleine Chip der Olympus-Kameras bedingt natürlich, dass die Bilder oftmals knackscharf sind!



Vor- und Nachteile von MFT:

Bekanntlich haben ja bereits die so genannten APS-C Kameras einen verkleinerten Chip und damit

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 Foto: Peter Hoffmann

einen Verlängerungsfaktor, der bei 1,5 oder 1,6 liegt. Damit verändert sich dann nicht nur der Ausschnitt, nämlich dergestalt, dass eine Normaloptik von 50 mm Brennweite de facto zu einer Porträt-Linse mutiert. Denn auch die Möglichkeiten, eine Person oder ein Tier vor seinem Hintergrund freizustellen, schwinden.

Das gilt umso mehr im so genannte Micro-Four-Thirds-System-Standard, wo der Verlängerungsfaktor sogar bei 2 liegt. Der wurde gemeinsam von Olympus und Panasconic auf die Beine gestellt, was den entscheidenden Vorteil hat, dass die Objektive und Kameras untereinander kompatibel sind. Mittlerweile bieten sogar Fremdhersteller wie Sigma und Samyang passende Optiken für diesen systemübergreifenden Standard an.

Kompakt und robust:

Dabei wartet das spiegellose System mit besonders kompakten Gehäusen auf. Die gelten gerade bei Olympus als äußerst robust und wetterfest und können damit im Zusammenspiel mit den passenden professionellen Objektiven (die ebenfalls gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet sind) auch bei schlechterem Wetter und Minustemperaturen bedenkenlos eingesetzt werden.
Auf der anderen Seite ist es natürlich so, dass bei Olympus und Panasonic bereits ein 25 mm Objektiv einer Normalbrennweite entspricht; wer gerne weitwinklig fotografiert, muss daher zu einer Brennweite wie dem M. ZUIKO DIGITAL ED 12-40 mm 1:2.8 greifen, das eine hervorragende optische Qualität hat.
Tatsächlich sind die Bilder, die die Olympus liefert, scharf und detailreich. Allerdings tut sich der (kleine) Chip bei höheren ISO-Werten dann doch manchmal schwer. Das wiederum lässt sich verschmerzen bzw. ausgleichen, weil der Bildstabilisator noch dort Freihandaufnahmen ermöglicht, wo andere Systeme längst aufgeben.

Bildstabilisatoren auf genialem Niveau:

Der ist bei Olympus, im Gegensatz zu den bildstabilisierten Objektiven von Panasonic, im Gehäuse verbaut und arbeitet schlichtweg genial. Vor allem beim Filmen wirken die Szenen, als ob man ein Schwebestativ benutzt hätte. Zumal bei der OM-D EM-5 Mark 2 sind Schwenks und Kamerafahrten auch Freihand problemlos möglich.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Denn spätestens dann, wenn es ums Freistellen geht, kann der im MFT-Standard verbaute Chip zu einem Problem werden. Immerhin ist der Sensor im Vollformat 4 mal größer. Das bedeutet, dass eine Profi-Optik mit einer Anfangsblende von 2,8 hier eine ganz andere Performance zeigt.

Zwar bleibt die Lichtstärke per se bei beiden Chip-Größen gleich. Doch in Sachen Tiefenschärfe gilt es, um zu denken. Szenen, die im Vollformat bei Blende 4 ein sanftes Bokeh aufweisen, können bei meiner Olympus bereits knackscharf sein.

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Foto: Peter Hoffmann

Insofern sind gerade im MFT-Standard (falls es der Geldbeutel hergibt) die lichtstarken Objektive der Pro und Premium-Serie sehr zu empfehlen. Tatsächlich liefert mein 60 mm Makro von Olympus (als zweite Festbrennweite nutze ich das 30 mm Makro von Panasonic) bereits bei Blende 2,8 eine hervorragende Qualität. Zusammen mit der Telebrennweite (die im KB-Format einer 120 er Optik entspricht) kann ich dann auch Personen oder Tiere vor ihrem Hintergrund freistellen.
Für den, der (noch) mehr will, sind dann zudem Lichtriesen wie das 25 mm Noktogon mit (s) einer Anfangsblende von 0,95 erhältlich. Spätestens dann kann der Schärfebereich exakt und mit minimaler Ausdehnung gesetzt werden.

Dabei bleiben im MFT-System auch derart lichtstarke EdelObjektive vergleichsweise klein, leicht und erschwinglich.

Apropos, Größe: Manche Fotografen bemängeln, dass Systemkameras zu wenig professionell wirken. Nun, natürlich mag es Kunden geben, die bei einem Hochzeitsfotografen oder für ein Katalog-Shooting auch einen Vollformatboliden mit integriertem Handgriff erwarten. Doch derartige Überlegungen dürften für die meisten Hobbyfotografen kaum eine Rolle spielen und kompakte Systeme gerade für Wanderungen und Exkursionen ideal sein.

Hier liegt auch für mich persönlich der Grund, weswegen ich „zweigleisig“ fahre: Meist benutze ich das MFT-System outdoor, während ich bei Reportagen (auch abhängig davon, wie weit ich die Ausrüstung schleppen muss!) zwischen Vollformat und Olymps hin und her switche.

Dass meine OM-D EM-1 eine hohe Serienbildrate und eine kurze Blitzsynchronzeit besitzt, betrachte ich dabei als Gewinn. Insofern „kann“ die Kleine auch Sport und Action!

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 Foto: Peter Hoffmann

Bei Makro-Aufnahmen wird die Schärfe des MFT-Systems zum Gewinn.

Dank des genialen Bildstabilisators der Olympus OM-D EM-1 und EM-5 sind auch Freihandaufnahmen möglich, wo man früher ein Stativ gebraucht hätte!

Bei Blende 2,8 und einer längeren Brennweite sind auch im MFT-Standard Szenen mit einem verschwommenen Hintergrund möglich.

Fotos und Text: Peter Hoffmann



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